BE: Schulversuch zur Reduktion der Lehrpersonen pro Klasse geplant

Aug 27th, 2013 | By | Category: Bildungspolitik

In einer Motion vom März 2013 forderte Daniel Steiner-Brütsch (EVP) einen Schulversuch zur Reduktion der Anzahl Lehrpersonen pro Schulklasse. Die Spezialisierung der Lehrpersonen und die steigende Zahl von Teilzeitangestellten habe zu einer Zunahme der an einer Klasse tätigen Personen geführt. Die Zusammenarbeit zwischen den Lehrpersonen erfordere deshalb einen hohen Absprache- und Koordinationsaufwand von den Beteiligten. Die Organisation der Schule und des Unterrichts sieht Steiner-Brütsch als zunehmend komplex, was wiederum zu einem erheblichen Arbeitsaufwand der Schulleitungen führe. Nicht zuletzt entstehe auch für die Schüler/-innen eine zusätzliche Herausforderung, sich auf verschiedene Bezugspersonen einzustellen.

Schulversuch mit reduzierter Anzahl Lehrpersonen

Der Schulversuch sieht einerseits vor, dass der Unterricht auf der Ebene des Kindergartens und der Primarstufe von maximal zwei bis drei Lehrpersonen erteilt wird. Dabei, so die Forderung, unterrichten diese Lehrpersonen möglichst alle Fächer und verfolgen zudem die Ziele aus den Unterstützungs- und Fördermassnahmen für Schülerinnen und Schüler mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen. Die Mittel aus den verschiedenen Unterstützungs- und Fördermassnahmen würden umgelagert und zugunsten der Regelklasse eingesetzt. „Ein kleineres, aber mit zusätzlichen Ressourcen verstärktes Team an Lehrpersonen je Klasse hat bessere Voraussetzungen, um eine Beziehung zu den Kindern und Jugendlichen aufzubauen und sie in ihren emotionalen, sozialen und kognitiven Fähigkeiten zu fördern”, so Steiner-Brütsch. Die allfälligen Mehrkosten des Schulversuchs sollen innerhalb der Erziehungsdirektion kompensiert werden. Der Schulversuch wird nur an Schulen eingerichtet, welche dies wünschen.

Regierungsrat nimmt Motion an

Der Regierungsrat des Kantons Bern nimmt die Motion der EVP im Rahmen einer Richtlinienmotion an, verweist jedoch auf den doppelten Ursprung für eine hohe Anzahl an Lehrpersonen an einer Schulklasse. Einerseits führe der hohe Anteil an Teilzeitarbeitenden an den Schulen zu einer Zunahme an Bezugspersonen der Kinder. Hier liege der Handlungsspielraum bei der entsprechenden Schule. Andererseits anerkennt der Regierungsrat die von Steiner-Brütsch monierte Zunahme als Folge der vermehrten spezialisierten Angebote. „Um hier Veränderungen im Interesse der Reduktion der Anzahl Lehrpersonen anzugehen, müsste eine Schule vor Ort in diesem Bereich von kantonalen Vorgaben befreit werden können. Beispielsweise dann, wenn eine Schule für besondere Massnahmen vorgesehene Lektionen für den Regelunterricht in einer Klasse einsetzen möchte”, so der Regierungsrat. Dies sei nur im Rahmen eines Schulversuches möglich. Die Erziehungsdirektion beabsichtigt deshalb, im Rahmen des pädagogischen Dialogs unter den Schulen und mit der Erziehungsdirektion einen ähnlichen Schulversuch zu lancieren. In Anlehnung an den Versuch der Bildungsdirektion des Kantons Zürich “Fokus starke Lernbeziehungen” versuche man, mittels einer einfachen Versuchsanordnung, den teilnehmenden Schulen Freiräume beim Einsatz der insgesamt zur Verfügung stehenden Ressourcen zu ermöglichen. Ob allfällige Schulversuche bereits auf das nächste Schuljahr starten könnten, ist derzeit noch unklar.

 

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